Nicos neue Welt — Baustelle einer Asylunterkunft soll blockiert...

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Baustelle einer Asylunterkunft soll blockiert werden - CDU-Abgeordnete macht vielleicht mit

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Die CDU-Abgeordnete Katrin Vogel möchte „nicht zusehen, wie unser Kiez kaputt gemacht wird.“ Warum ihr Altglienicke kaputt gehen könnte? Weil eine Unterkunft für Flüchtlinge gebaut wird. Und deswegen hat Vogel die Altglienicker auf Facebook zur ersten Montagsdemonstration im beschaulichen Stadtteil im Süden Treptow-Köpenicks aufgerufen. Es kamen über 200. Wenn das nichts bewirkt? Dann müsse man eben die Baustelle blockieren.

Viel ist sonst nicht los – hier an der Berliner Stadtgrenze. Das Gebiet ist locker bebaut, Plattenbauten verbreiten ein wenig Tristesse, am Montagabend trinken Jugendliche neben Glascontainern ihr Bier. Doch um 19Uhr wird es auf einmal voll, die Menschen strömen zur Hauptstraße. Sie kommen aus dem Blindschleichengang, der Molchstraße oder dem Quittenweg. So heißen hier die Straßen, die eine Grünfläche umschließen, auf der bald Flüchtlinge wohnen sollen. Ab Mitte Mai will der Senat eines der ersten 30 „tempohomes“ bauen, weiße Container, einstöckig. Dadurch sollen endlich die Turnhallen leergezogen werden, die in Berlin dem Vereins- und Schulsport zusetzen. Für drei Jahre werden in den Containern 500 Geflüchtete leben, anschließend werden sie abgerissen. „Nur sieben Meter von unseren Grundstücken entfernt wohnen die dann“, wurde sich auf der Kundgebung in Altglienicke empört. Direkt neben dem Bahndamm, der Lichtenberg und Schönefeld verbindet, ging man sonst mit seinem Hund Gassi oder erwartete den Bau von weiteren Einfamilienhäusern. Nun kommen schon im Juli Syrer, Iraker und Afghanen – für viele Menschen am Stadtrand scheinbar ein Schock.

Doch auf der Kundgebung der neuen Bürgerinitiative gegen den Containerbau machten nicht nur die direkten Anwohner ihrem Unmut Luft. Auch aus dem Kosmosviertel kamen Menschen. Von Plattenbauten dominiert erzielt die NPD hier gute Ergebnisse, Jugendgruppen randalieren regelmäßig in kommunalen Einrichtungen, die Kinderarmut ist hoch. Jetzt wurde das Viertel in das Quartiersmanagement aufgenommen und erhält Unterstützung vom Senat. Katrin Vogel, Chefin der CDU in Treptow-Köpenick, sieht hier eine Gefahr: „Das Gebiet ist jetzt schon sozialer Brennpunkt, da kann man nicht noch 500 Flüchtlinge wohnen lassen.“ Zudem gebe es in Altglienicke schon zwei andere Unterkünfte, die Konzentration sei einfach zu hoch.

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Weil sie die Sorgen der Bürgerinitiative also teilt, ist Vogel neben dem Organisator Rüdiger Schreiber Hauptrednerin auf der Kundgebung. Als Vogel in ihrer Rede auch die Hilfsbereitschaft der Altglienicker lobt, ist ein Buh-Ruf zu hören. Einige verlassen die Kundgebung, weil sie die CDU-Abgeordnete als Angehörige einer Regierungsfraktion genauso verantwortlich machen, wie den SPD-Finanzsenator Kollatz-Ahnen oder SPD-Bezirksbürgermeister Igel.

Schließlich ging es einigen Demonstranten auch nicht so sehr um den Standort. „Dit sind doch schon jenuch Asylanten hier“, raunt eine Frau während der Rede von Vogel. Man muss nach der Ablehnung von Flüchtlingen nicht suchen an diesem Montagabend, man hört es überall. Und so war es kein Wunder, dass die Montagsdemo auch das rechte Spektrum anzog. Der Marzahn-Hellersdorfer NPD-Vorsitzende Andreas Käfer war angereist, weitere Teilnehmer trugen Kleidung der Neonazi-Marke Thor Steinar oder mit rechten Sprüchen. Auch Neonazis aus der Glienicker Straße und dem Allende-Viertel waren da - an diesen Orten wird immer wieder gegen Flüchtlingsunterkünfte protestiert. Zu Wort meldete sich trotz offenem Mikrofon jedoch keiner, so dass es am Montag bei warmem Applaus und strengen Reden gegen die SPD und „die Politiker“ blieb. Man wolle sich nicht in die rechte Ecke stellen lassen. „Der eine Nazi wohnt vielleicht hier, was kann ich dafür“, wiegelt Vogel ab. Für sie war das sicherlich ein Erfolg, sie gilt jetzt erstmal als Kümmerin.

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Doch wie geht es weiter, wenn der Bau schon in den nächsten Tagen beginnt? Katrin Vogel sagt auf der Kundgebung, man müsse dann eben andere Wege finden, um das Vorhaben zu verhindern. „Dazu wird Herr Schreiber gleich noch etwas sagen“, kündigt sie etwas umständlich an. Und schon greift Schreiber nochmal das Mikrofon und ruft dazu auf, zur Not eben die Baustelle zu blockieren. Schon jetzt hatte die Beteiligung Vogels am Protest in der Landespolitik für einigen Wirbel gesorgt; Politiker von SPD, Grünen und Linken distanzierten sich. Wenn nun jedoch bei Baubeginn tatsächlich Anwohner auf die Barrikaden gehen und sich Baggern in den Weg stellen, könnte der Streit eine neue Dimension annehmen. Im Interview mit der Berliner Zeitung sagt Vogel, sie wisse noch nicht, ob sie mitblockiere. Am Montag klatschte sie jedoch erstmal für den Aufruf zur Blockade. Vielleicht machen am Ende ja nicht die Container Altglienicke „kaputt“, wie Vogel es befürchtet – sondern eine unheimliche Allianz aus CDU, Anwohnern und NPD-Kadern.

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